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Presseartikel | Kritiken

'SZ Extra' - Genre-Opus '24/7 - 'The Passion of Life'

(SZ Extra; 19.07.2012)

"Nicht alle Katzen sind grau"

Film-Event. Dank 'Shades of Grey' ist SM gerade das Thema. Doch ein Münchner Genre-Opus nahm den Trend längst vorweg.[...]"

 

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Süddeutsche.de - Interview mit Roland Reber zu '24/7'

(Süddeutsche.de - München und Region; 23.07.2012)

"Mir ging es um die Poesie des SM"

Shades of Grey ist der Verkaufsrenner. Der Münchner Filmemacher Roland Reber hat einen Spielfilm über SM gemacht. Jetzt zeigt er ihn in München - und erklärt, was Fetischisten in Schweinemaske und Babywindeln mit Poesie zu tun haben.

 

Süddeutsche.de: Shades of Grey bricht derzeit alle Verkaufsrekorde.Da war Ihr Film 24/7 The Passion of Life doch sicher auch ein Erfolg?

Roland Reber: Viele Verleiher wollten den Film anfangs nicht, sie dachten, SM sei ein Nischenthema. Daraufhin haben wir in Münchenunseren eigenen Verleih gegründet, am Ende lief der Film dann ein Jahr lang in mehr als 70 deutschen Kinos.

Süddeutsche.de: Haben Sie denn für den Film auch in ihrer Heimatstadt München recherchiert? Oft hat man ja das Gefühl, Swingerclubs, SM-Studios, das gibt es hier gar nicht.

Reber: Oh doch, sehr viele sogar. Neben einem Supermarkt mitten in der Stadt war damals eines der größten westdeutschen SM-Studios überhaupt. In München gibt es mehr SM-Studios, als man auf einer Seite auflisten kann. Es spricht nur niemand darüber. Beispielsweise hat uns ein bekannter Banker sein Haus zum Drehen zur Verfügung gestellt. Als wir ihm Szenefotos aus dem SM-Studio zeigten, tat er sehr erschüttert. Zwei Tage später haben wir ihn im SM-Studio gesehen, er war dort Stammgast.

Süddeutsche.de: Der Autorin von Shades of Grey wird vorgeworfen, ihr Buch sei so simple ...

Reber: Ich will mir das Buch noch kaufen. Mir ging es vor allem um die Poesie des SM. Denn die habe ich bei den Recherchen selbst erlebt. In einem SM-Studio bekam ich einen Arztkittel und wurde in einen Raum geführt, in dem ein Mann an einem Gynäkologenstuhl festgebunden war. Die Domina hat einen Eisenstab in seine Harnröhre geführt. Man konnte kaum hinschauen. Aber dann sah ich in sein Gesicht und sah eine wohlwollende, tiefe Erfüllung, die ich noch nie so gesehen hatte.

Süddeutsche.de: In Ihrem Film sieht man auch Fetischisten in Schweine-Gummimaske und Babywindeln. Sind die auch poetisch?

Reber: Nein, die sollten lächerlich wirken. So lächerlich, wie die Gesellschaft diese Menschen sieht. Wir wollten bewusst Klischees benutzen, um diese dann zu brechen. Unsere Domina hat beispielsweise viel mehr Charakter als solche Frauen normalerweise im Fernsehen haben. Da sind Dominas ja große, schlanke, prügelnde Frauen. Lady Maria ist eine Soziologin, die gerade eine Doktorarbeit über die religiöse Seite von SM und die gesellschaftlichen Probleme schreibt und auch eine erzieherische Funktion im Film hat.

Süddeutsche.de: In einer Kritik heißt es, The Passion of Life zeige SM endlich so, wie es ist. Wie ist es denn?

Reber: Auf jeden Fall nicht so frauenfeindlich und gewaltverherrlichenden, wie viele denken. Nur die wenigsten in der Szene haben eine gewaltverherrlichende Philosophie. Aber auch das ist ja freiwillig. Bei den meisten geht es einfach nur um Dominanz. Einer unserer Statisten lief immer mit einem T-Shirt herum, auf dem stand "Ich schlage Frauen", er hat sich auch so benommen, nach außen. Aber beim SM wollte er sich einer Frau unterwerfen.

Süddeutsche.de: Jetzt zeigen Sie den Film wieder in München. Wer kommt da?

Reber: Das ist immer amüsant, viele erscheinen in ihren Fetisch Outfits, etwa als Domina in Lederkluft mit Mann an der Leine. Sie feiern sich selbst bei der Vorführung. Aber nur etwa 30 Prozent kommen aus der Szene, der Rest ist ganz normales Publikum. Aber auch das reagiert meist sehr offen, sehr neugierig.

Süddeutsche.de: Und was ist die Botschaft des Films?

Reber: Der Film geht nicht nur um SM, eigentlich ist er eine Studie über Einsamkeit. Alle Figuren sind allein und suchen in ihrer abweichenden Sexualität ihren Halt, ihre Bestätigung, ihre Erlösung. Aber sie finden sie nie. Auch im SM-Studio nicht.

 

24/7 The Passion of Life mit Publikumsgespräch. Dienstag, 24.7., 20.10 Uhr, Museum-Lichtspiele

'24/7' im GOA MESSENGER, Indien

Einsam im Traum

Süddeutsche Zeitung, Feuilleton, 23.02.2006

Rezension von Hans Schifferle

 

„24/7 The Passion of Life“, ein SM - Film von Roland Reber Das ist eine seltene Spezies geworden, die Filmemacher, die vollkommen unabhängig von Fernseh- und Fördergeldern ihre Filme produzieren. Die Macher von „24/7“ gehören dazu. Regisseur ist Roland Reber, eine erfahrener Theatermann, seine Filme wie etwa „Das Zimmer“ sind auf ausländischen Festivals durchaus mit Erfolg gelaufen. Drehbuch und Kameraarbeit teilt sich Reber mit der zierlichen Mira Gittner, die in „24/7“ beeindruckend die Domina Maria spielt. Das Trio wird komplettiert von der glamourösen Marina Anna Eich, die ihre Laufbahn einst bei den Oberammergauer Passionsspielen begann. Jetzt spielt sie die Rolle der Eva, die ins Wunderland der dunklen Sexualität eingeführt wird. Zudem ist sie für die Coproduktion und die Publicity verantwortlich. Diese Publicity, etwa bei den Hofer Filmtagen erinnert an Corman oder William Castle.


"24/7 The Passion of Life" ist also ein handgemachter Film, der ein spektakuläres Thema wie den Sadomasochismus in einem Mix aus Trash und Hochkunst durchleuchtet und im positiven Sinne "ausbeutet".

 

Eva heißt das blonde Girl, als Tochter eines einflussreichen Hoteliers ist sie so etwas wie eine oberbayerische Paris Hilton. Zufällig lernt sie die Domina Maria kennen, auf deren Visitenkarte steht: "Ich bin jene Form der Sünde, die zu erreichen Du niemals den Mut haben wirst." Eva fühlt sich angezogen von dieser anderen Welt der Sexualität, von Marias Studio, jenem coolen Workshop mysteriöser Wünsche, das echte Gegenstück zu den Wellness-Räumen im Hotel. Sie ist besonders fasziniert von der melancholischen Intelligenz Marias, die nebenbei als Mythenforscherin tätig ist und die ausgefeilten Sessions mit den Freiern auch als Therapie versteht. Bevor Eva freilich in die hohe theatralische Kunst des SM eingeführt wird, probiert sie die eher rührige Swingerszene aus.

 

Im Grunde ist "24/7" mit seinen Ritualen der Sehnsucht eine komplexe Studie der Einsamkeit. "Lonely in my dream, lonely in love with you", heißt es auf dem Soundtrack. Das ist der Erlösungstrip, die spirituelle Seite von "24/7": wenigstens für Momente eine Liebe zu finden jenseits aller Liebesgefängnisse. Rebers Film ist eine SM-Oper mit absurd-komischen Szenen und melodramatischen Sequenzen, eine wilde Melange aus Poesie und Obszönitäten, in der das Rotwein-Klistier neben dem Hesse-Zitat steht und das Domina-Studio zum Mittelding zwischen Hobbykeller und Kathedrale wird. Im Showdown, angesiedelt irgendwo zwischen Jess Franko und Peter Greenaway, werden Kadrierung und Ausleuchtung klar: sie gleichen "vaginalen" Fenstern für eine neue, wiedergeborene Perspektive.


Hans Schifferle
(Quelle: Süddeutsche Zeitung, Feuilleton, 23. Feb. 2006)

 

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'24/7' ist ein faszinierender Film

Sneakfilm.de Kritik zum DVD Start am 29.9.2006

Es gibt Filme die wollen provozieren und spalten damit die Filmwelt in zwei Hälften. “24/7 – The Passion of Life” ist ein solcher Film und ich hatte das Vergnügen mir ihn ansehen zu dürfen und muss feststellen, dass ich den Film mag.


Die Hotelierstochter Eva (Marina Anna Eich) trifft auf ihrem Heimweg auf die Soziologin Magdalena (Mara Gittner). Diese ist mit ihrem Motorrad liegen geblieben und hilfsbereit wie Eva ist, nimmt sie Magdalena ein Stück mit. Zurück im Hotel bemerkt Eva, dass Magdalena ihren Rucksack bei ihr im Wagen vergessen hat und bei Suche nach einer Kontaktadresse stößt die blonde Schönheit auf allerlei Sexspielzeug und eine Visitenkarte eines Domina-Studios.
Eva ruft im Studio an und stellt fest, dass Magdalena ein Doppelleben führt. Ist sie privat die nette Soziologin verwandelte sie sich im Domina-Studio in Lady Maria. Um Magdalena ihren Rucksack zurückzubringen trifft sich Eva mit Lady Maria im Studio und ist fasziniert von dieser anderen Welt. Das fantasievolle Interior des Studio passt so gar nicht in Evas Vorstellung eines Domina-Studios und als sie auch noch mit Sklavenhund Bello gassi gehen darf, ist sie fasziniert von der dunklen Welt der Lust.


Mit Hilfe von Lady Maria beginnt Eva ihr Eigenes Sexualleben zu erforschen und startet damit in einem Swingerclub.
Eine poetisch-philosophische Reise durch das Sexleben abseits von Blümchensex und Monogamie beginnt, bei der sie nicht nur auf Verständnis trifft.


~Meine Meinung~
“24/7 – The Passion of Life” ist ein faszinierender Film, der durch seine traumhaften Bildkompositionen die dunkle Welt des Sadomasochismus und die der Swingerclubs nicht als etwas verruchtes darstellt, sondern als eine normale Möglichkeit der sexuellen Befriedung. Auf wunderbare Art und Weise hält Regisseur Roland Reber der Gesellschaft mit dem Film einen Spiegel vor und beweist, mit welcher Doppelmoral die Menschen doch durch die Welt laufen. So trifft Eva zum Beispiel im Swingerclub auf einen weiblichen Gast und trifft diesen später im Hotel wieder. Eva grüßt den Gast freundlich und dieser zieht daraufhin kommentarlos von dannen.
Schön umgesetzt sind auch die S/M-Szenen. An Stelle von harten, fast pornografischen Bildern zeigt der Film den Sadomasochismus von einer ästethischen, künstlerischen Seite und stellt diese Spielart der Erotik als ein Geben und Nehmen sowohl von der dominanten als auch der devoten Seite dar. Dadurch gewinnen auch Menschen außerhalb der S/M-Szene, so wie ich einer bin, einen positiven Eindruck der Szene.


Was für die S/M-Szenen gilt, gilt in gleicher Weise für die Szenen im Swingerclub “La Boum”. Auch hier werden diese Personen aus der Schmuddelecke geholt und ihren Treiben ein gewisses Stück Normalität gegeben.


Ein weiterer wichtiger Punkt der “24/7 – The Passion of Life” auszeichnet sind die Schauspieler. Durch die Mischung aus professionellen Schauspielern und Hobbyschauspielern gewinnt der Film eine gewisse Authentizität. Als professionelle Schauspieler stehen mit Mira Gittner (Das Zimmer, Pentamagica) und Marina Anna Eich (Zufall, Dann nenn es halt Liebe) auf der einen Seite zwei hervorragende Schauspielerinnen die sich gut gegenseitig ergänzen und auf der Seite stehen mit Michael Burkhardt und Reinhard Wendt zwei Hobbydarsteller die beweisen, dass sie der Aufgabe eines solchen Films gewachsen sind.


Unter dem Strich bleibt festzuhalten, dass das ansehen von “24/7 – The Passion of Life” für mich ein bewegendes Erlebnis war. Durch den Film habe ich ein anderes, besseres Bild der S/M-Szene erhalten und nehme eine Message fürs Leben mit: Lebe deine Fantasie!

(Quelle: Michael Welsing, sneakfilm.de)

Licht ins Schattenreich

Film-Thermometer: 20 von 30 Punkten

AZ Kultur, 16.2.2006

Rezension von Adrian Prechtel

 

24/7 THE PASSION OF LIFE will die SM-und Swinger-Szene aus der Schnuddelecke holen.

„Scham ist nur Angst vor dir selbst“, sagt die Domina Maria (Mira Gittner) zur jungen Eva (Marina Anna Eich), die sich auf einen sexuellen Erlösungstrip in die Tiefen der SM-Szene und Swinger-Clubs begibt. Aber mit seinen Geschichten von diesen viel frequentierten Tabu-Orten befreit 24/7 THE PASSION OF LIFE das Milieu von Schmutz, Schmuddel und dem Vorurteil düsterer Gewalt. Vielmehr versucht der Film, die Grenze zwischen Bürgerlichkeit und sogenannter Perversion aufzuheben: Beide sind nur zwei Seiten einer Medaille – und die sexuell ausschweifende ist dabei vielleicht die unneurotischere, gesündere.

 

PASSION OF LIFE von Roland Reber ist ein Spielfilm. Gedreht wurde an Originalschauplätzen, zum Teil mit Szene-Mitgliedern. Doch in seiner starken Stilisierung ist der Film alles andere als dokumentarisch. Denn mit Musik aus Mozarts Requiem und katholischem Messgesang unterlegt sowie Pietà und Religions-Assoziationen, gelingen poetische, geheimnisvolle Bilder, die Weihevolles haben.

 

Dazu passen auch bizarre Szenen, wie die eines Theologiestudenten, der sich erst durch eine blasphemische Christus-Kreuzigungs-Performance mit Gott und seiner Triebhaftigkeit aussöhnt. Gegen diese ästhetisch überhöhten Szenen ist krass realistisch die Rahmenhandlung gesetzt: Die Hotelerbin Eva in ihrem Vater-Tochterkonflikt, der Schock, als ihre Szene-Besuche publik werden, und der Swingerclub mit seinen Kleinbürgerscheußlichkeiten, biederen Rustikalmöbeln, Countrymusik und Schnurrbart-Merci-Dir-Typen.

 

Hier hat der Film Schwächen, weil Dialoge und Spiel oft künstlich und unbeholfen wirken. Auch wird die liberal-aufklärereiche Botschaft plakativ verkündet: Die Domina – im Film Soziologiestudentin – gibt dazu dick aufgetragene, kathederhafte Sätze von sich.


Aber bei alledem hat 24/7 THE PASSION OF LIFE ein hohes Maß an Aufrichtigkeit. Und egal, ob man die Befreiungs-Philosophie teilt: Es ist ein Ausnahmefilm, ein ästhetisch und inhaltlich interessanter Independent Film. Und vielleicht steckt in jedem Dr. Jekyll von uns im Verborgenen auch ein sexueller Mr. Hyde.


(Quelle: Abendzeitung vom 16. 2.2006)


 

Widescreen Filmbewertung: 4 von 5 Sternen

Widescreen Filmbewertung: 4 von 5 Sternen


von Julian Reischl

Roland Reber stellt die Lust in allen Spielarten als eine reine, wertfreie und vor allem ureigene menschliche Regung dar und enttarnt so unsere Gesellschaft als scheinheilig und borniert. Technisch mit minimalen Mitteln realisiert, beeindruckt der Film umso mehr durch seine Bildsprache, der Zuschauer bleibt Beobachter und wird nicht Teilnehmer des Geschehens.


(Quelle: WIDESCREEN 03/06, Julian Reischl - Filmbewertung: 4 von 5 Sternen)

Blickpunkt Film

Blickpunkt Film

"24/7 The Passion of Life" ist eine lyrische Studie über Obsessionen und Einsamkeit, geheime Lust

und öffentliche Moral. Hauptsächlich spielen die Szenen im Domina-Studio, es gibt jedoch auch genügend emotionale Momente, die weit über SM-Spiele hinausgehen.

 

Ein tiefgreifender, philosophischer Film.

 

(Quelle: Blickpunkt Film)

Die ewige Suche nach der sexuellen Identität

Neue Zeitung für Tirol, Freitag 28.04.2006


Das ohne Fremdmittel realisierte Erotik-Drama „24/7“ feiert heute um 20.30 Uhr Premiere im Innsbrucker Metropol-Kino. Regisseur und Hauptdarsteller werden auch anwesend sein.

(kok) „Einen sexuell gefestigten Menschen kannst du kaum manipulieren“, sagt Regisseur Roland Reber (51), dem mit „24/7“ ein verstörendes, melancholisches, kompromisslos-ehrliches Meisterwerk gelungen ist. „Wenn sie auf der Straße Männer und Frauen nach ihrer sexuellen Identität fragen, werden Sie von den wenigsten eine vernünftige Antwort bekommen, viele werden Sie einfach nur verdutzt anstarren“.

Die eigenen Bedürfnisse

Die intelligent-gelassene Selbstverständlichkeit, mit der Reber die Motivation für „24/7“ erklärt, ist dieselbe, die auch den Film durchzieht. Kaum jemand wisse über seine sexuellen Bedürfnisse wirklich Bescheid, Erziehung und öffentliche Moral machten das Suchen und Finden nach der eigenen Lust nahezu unmöglich. Muss sich laut Reber jedes junge Mädchen auf der Suche nach sich selbst auf eine ähnlich exzessive Reise wie Hauptdarstellerin Eva begeben? „Natürlich nicht!“ Bei den sexuellen Revolutionen der Vergangenheit habe man genau diesen Fehler gemacht. Man habe versucht, eine einheitliche Formel zu verfolgen. „aber ein Patentrezept gibt es nicht. Jeder muss für sich selbst entscheiden, welchen Weg er oder sie einschlagen will und sehen, wohin die Reise führt.“ Hotelierstochter Eva (Marina Anna Eich – zum Niederknien) führt die Reise in Domina-Studios, Swingerclubs und Stripteasebars.

Bizarre neue Welt

Dem Eintritt in diese für Eva bizarre neue Welt war eine Begegnung mit Soziologin Magdalena (Mira Gittner) vorangegangen, die als „Lady Maria“ in einem SM-Studio arbeitet und in Eva eine für sie bisher noch unbekannte Sehnsucht auslöst. „24/7 The Passion of Life“ ist eine lyrische Studie über Obsessionen, Einsamkeit und geheime Lust – ein philosophischer, tiefgehender Film. Übrigens: die Premierenfeier im Anschluss an den Film wird stilecht im Innsbrucker Marquis stattfinden. Einen Dresscode gibt es nicht, für Besitzer von Kinokarten ist der Eintritt kostenlos.


(Quelle: Neue Zeitung für Tirol, Freitag 28. April 2006)

Liebe ist ... Lust und Schmerz

Werkstatt Schwule Theologie, Ausgabe 1+2/2006


Rezension von Arno Bosl


Seine sehr persönlichen Eindrücke von „24/7 – The Passion of Life“ beschreibt der schwule katholische Theologe Arno Bosl im Beitrag „Liebe ist ... Lust und Schmerz“ in der neuen Ausgabe der Zeitschrift „Werkstatt Schwule Theologie“ (WeSTh), die sich dem Thema „Lust-Projektionen: Homosexualität und Religion im Film“ widmet.

Er beleuchtet die gegenseitige Verflochtenheit von Religion und Sexualität bzw. BDSM, analysiert die zahlreichen Verweise auf sakrale Handlungen und Haltungen im SM-Studio und die „kirchlich“ inspirierte Filmmusik.

Ob Engel und Teufel, den Prediger oder Gekreuzigten: Die Symbole und Chiffren des Films und die Namen der Personen setzt Bosl in Beziehung zu biblischen und apokryphen Erzählungen. Die Verbindung von Mystik und Erotik, von Schmerz und Heil, von Unterordnung, Passion und Lust weisen den Weg heraus aus einem – oft von den Kirchen – verengten Religionsbegriff zu den unerschöpflichen Quellen körperlicher und sexueller Erfüllung.

 

(Quelle: Werkstatt Schwule Theologie (WeSTh) 13 (Heft 1+2/2006), S. 79-108. www.westh.de)

 

ausführlicher Link auf den Hintergrundbeitrag: www.westh.de/Hintergrund/hintergrund.html

ausführlicher Link für das Film-Heft: www.westh.de//Werkstatt-Hefte/WeSTh_Aktuell/westh_aktuell.html

Filmstarts.de

Filmbewertung: 7 von 10 Punkten


Rezension von Alina Bacher


Halbnackte Schönheiten, die sich barbusig in der Sonne räkeln oder durchtrainierte Traummänner, die ihren wohlgeformten Oberkörper heroisch in die Kamera strecken - aus der Werbung ist Sex schon längst nicht mehr wegzudenken. „Sex sells“- das wissen nicht nur die Werbeprofis.

Doch nicht jede Form der Sexualität eignet sich zum vermarkten. „Blümchensex sells“ ist wohl eher die Devise. Dabei gibt es weitaus mehr über das Thema Sexualität zu berichten. Latex, Lack und Fesselspielchen sind weitgehend aus dem Alltag verbannt und laufen unter der Kategorie „Perversion“.

Aber was ist pervers? Wer entscheidet, wie man seine Sexualität ausleben darf? Hindern uns veraltete Wertvorstellungen daran, die absolute sexuelle Freiheit zu erleben? Ein heikles Thema, dem sich das Erotik-Drama „24/7- The Passion Of Life“ annimmt. Mit poetischen Bildern macht sich der Film auf eine provokative Entdeckungsreise durch die „andere“ Sexualität, die von der Öffentlichkeit lieber totgeschwiegen und tabuisiert wird. ...

Eines vorweg:

Auch wenn 24/7 THE PASSION OF LIFE von der Beschreibung eher nach einem gut verpackten Hardcore-Porno klingt, hat dieser Film mit billiger „Rammel-Pornographie“ soviel zu tun, wie eine Waschmaschine mit einem Blumenbeet - rein gar nichts. Zwar spielt der Film in der SM-Szene und somit sind Bilder von Menschen in Latexslips und Lederstrapse nichts Seltenes, aber wer glaubt, außer Sexspielchen nicht viel auf der Leinwand zu sehen, der irrt. Regisseur Roland Reber setzt auf poetische Bilder und begibt sich mit der Kamera auf die Suche nach der „sexuellen Wahrheit“. Was ist pervers? Wer entscheidet darüber, was in deutschen Betten als „normal“ gilt? Warum spricht unsere Gesellschaft offen über Blümchensex, verschließt sich aber gegen alles andere? Fragen, die der Film zwar kennzeichnet, die er aber letztendlich dem Zuschauer selbst überlässt. Ein Film, der zum Nachdenken anregt.

 

Natürlich sind Hardcore-SM-Praktiken nicht jedermanns Sache. Einige Szenen sind hart an der Grenze des guten Geschmacks, aber trotzdem gelingt Roland Reber diese schwierige Gradwanderung und der Film driftet nie ins „Schmuddelige“ ab. Die Sexszenen in Film sind wunderbar poetisch mit der Kamera eingefangen und so inszeniert, dass selbst noch so fremde Praktiken irgendwie vertraut und auch verständlich erscheinen. Nicht nur Sexualität und Erotik spielen eine große Rolle, auch die Religion wird thematisiert. Dem ein oder anderen Theologie-Studenten wird es hierbei sicher eiskalt den Rücken runter laufen, denn Roland Reber geht mit der Religion hart ins Gericht. Wenn sich Dominik selbst als Jesus inszeniert und seine Domina ihm als „Satan“ ins Gewissen redet, oder wenn Lady Maria ihren Untergeben die Beichte abnimmt - Religiosität verändert das natürliche Verhältnis des Menschen zu seiner Sexualität. Reber scheut keine Provokation und thematisiert Aspekte unserer Gesellschaft, die sonst lieber unter den Teppich gekehrt werden. Allerdings zwingt sich manchmal der Eindruck auf, dass der Film in jeder Szene verzweifelt nach Provokation strebt. Trennung von Sex und Liebe ist ja schön und gut, aber gleich alle „Blümchen-Sexhaber“ als konservative Menschen, die sich nichts trauen im Leben darzustellen, wird nicht auf viel Gegenliebe stoßen.

 

Auch wenn das Thema nicht ganz einfach ist und im Alltag oft von Vorurteilen und Klischees überschattet wird, fängt der Film die ganz spezielle Atmosphäre der SM-Szene ein, ohne dabei klischeehaft zu wirken. Das ist besonders auf die gute Recherche-Arbeit des Teams zurückzuführen. So arbeitete Hauptdarstellerin Mira Gittner selbst ein paar Tage als „Aushilfsdomina“ in einem Studio, bevor sie sich an die Rolle heranwagte. Dazu Mira Gittner selbst: „Für mich ist das ein ganz normaler Vorbereitungsprozess für eine Rolle. Wenn ich eine Ärztin spielen würde, würde ich auch versuchen, ein paar Tage das Praxisleben mitzuverfolgen. Da ich mit der SM-Szene vorher noch nicht in Berührung gekommen bin, wollte ich meine persönlichen Erfahrungen machen.“

 

Die Schauspieltruppe setzt sich teils aus Profis, teils aus Laien zusammen.

In den Hauptrollen glänzen Mira Gittner und Marina Anna Eich. Ihr intensives Spiel ist mit einer der Gründe, warum 24/7 THE PASSION OF LIFE nie an seiner provokanten Poesie verliert. In der Rolle des „Hausmädchens Elfriede“ macht Reinhard Wendt eine sehr gute Figur. Der 80-Jährige spielt hierbei sich selbst, denn Wendt sprach Regisseur Roland Reber während der Dreharbeiten im SM-Studio an und fragte, ob auch er in dem Film eine Rolle haben dürfe. Durch lange Gespräche mit „Elfriede“ entwickelten Roland Reber und Mira Gittner daraufhin die Rolle im Film. Ein weitere Laie in den Reihen der Darsteller ist Michael Burkhardt, der sich in der Rolle des „Lust-Reiseleiters“ Mike versucht. Leider muss man sagen, dass hier der Unterschied zwischen professionellen Schauspielern und Laiendarstellern ganz klar sichtbar wird. Verglichen mit dem Rest der Besetzung, geht sein Spiel kläglich unter.

 

24/7 THE PASSION OF LIFE ist ein wahrer Independent Film, der durch seine provokante Thematik polarisieren wird. Eine poetische Odyssee durch Lust und Leidenschaft, zwischen Perversion und Konvention. Auf jeden Fall ein nicht alltäglicher Film, der das Publikum spalten und die Filmwelt in Aufruhr versetzen wird.

(Quelle:www.Filmstarts.de)

Die „thelemische“ Antwort

24/7 The Passion of Life -

Die „thelemische“ Antwort auf Gibsons „Passion of Christ“
Eine Breitseite auf die gesellschaftliche Konditionierung

Von Federico Tolli, Bischof der Freikatholischen Kirche zu Wiesbaden, Theologe

 

„24/7 The Passion of Life“, ein Film über den Umgang der Gesellschaft mit Sexualität, über Religion, Moral und Doppelmoral? Ein Fragezeichen, was der Schreiber dieser Zeilen bewusst an dieser Stelle positionierte. Viel zu eilig versucht die bekannte Kunst der Rezension dem Film ein simples Gepräge zu geben. Ein „Label“ des Protestes für die Szene der Swinger, Bondage und SM-Aktivisten, das einfältige Grenzen zwischen Bürgerlichkeit und so genannter Perversion aufzuheben droht. Stehen beide Welten doch nur für zwei Seiten ein und derselben Medaille. Sado-Masochismus als natürlicher Teil des sexuellen Spektrums einer westlich geprägten Kultur zwischen Konsum und Sehnsucht nach Heiligung und Heilung. So konstatiert die Domina dieses Films „Lady Maria“ den therapeutischen Zusammenhang zwischen Religion und SM als konsequenten psychologischen Abwehrmechanismus: „… wenn du diesen Teil in dir nicht akzeptierst und lebst, dann wird er dich verfolgen, Tag für Tag, und davon würdest du krank. Krank ist nicht das, was du machst. Vielleicht die Schuldgefühle, die man dir eingetrichtert hat. Die sind vielleicht krank.“

 

Dass die Szene der Swinger und Sado-Masochisten im Film authentisch dargestellt werden, liegt nicht nur an der guten Recherche des Filmteams, sondern an der schlichten Tatsache, dass mit „24/7 The Passion of Life“ der erste deutsche Spielfilm debütiert, der dem Berufsstand einer „Domina“ nicht das Klischee einer gefallenen und kriminalisierten „Lilith“ aufdrücken will. Der Film gibt Antworten, die viel tiefer liegen als Gesellschafts- und Moralkritik. Die Fesseln aus Religion, Normierungszwang und Doppelmoral, die die Gesellschaft der Lust anlegt, sind andererseits dieselben Fesseln, die gleichsam in materialisierter Form dem SM-Zögling Momente der Lust durch Schmerzbefreiung bescheren. Vielmehr wird die eigentliche Essenz dieses Ausnahmefilmes verkürzt, wenn hier eine künstliche Dualität als Instrument der Kritik angewendet wird. In einer Gesellschaft, die durch eine Religion geprägt ist, deren Inhalt Befreiung durch Opfer, und damit einhergehenden Schmerz, postuliert, gewinnt „24/7 The Passion of Life“ therapeutischen Anspruch.

 

Die Trinität der menschlichen Existenz von Körper, Geist und Seele wird in der künstlerischen Trias von Identitätssuche, Sexualität und Religiosität aufgelöst. Nicht mehr in der konventionellen Ausübung von Religion, sondern in religiös-sexuellen Ritualen finden die Protagonisten zu sich selbst. Jedoch finden sie nicht im Sex Wege aus ihrer Einsamkeit, und Erlösung aus der Unterwerfung von Sünde. Sondern vielmehr in der letzten Erkenntnis der Lebensbejahung, trotz aller Sinnsuche, Enttäuschungen und Brüche.

 

Es geht um viel mehr als um die äußeren Paradigmen, die sich in Kultur und Religion als Regelwerk niederschlagen. Vielmehr zeigt der Film auf, dass der Kern dieser Paradigmen bedroht ist. Es findet sich kein Ort mehr, in dem der Mensch in seinem „so-sein“ Aufnahme, Akzeptanz und Liebe findet. Die scheinbaren Schattenseiten des Menschen, hier symbolisiert durch die sexuelle Subkultur, müssen im Arkanen gehalten werden, um nach außen die Gefühlsarmut der Gesellschaft noch erträglich zu gestalten. Es geht hier um Spiritualität. Um die Suche des Menschen in seiner Unvollkommenheit Heilung und Glück zu finden.

 

Die vom Menschen angestrebte Vollkommenheit Gottes wird im Christentum durch Vergeistigung und Idealisierung der Askese erreicht. Dies führte zu einer Gleichsetzung von Geschlechtlichkeit, Fortpflanzung und Sterblichkeit, die im Gegensatz zum reinen Geist und der Vermählung mit Gott die Heilung ermöglichte. Sexualität wurde zur „unreinen“ Form der Fortpflanzung und dem Weiblichen zugewiesen. Verdrängt in die Folterkeller der Inquisition, die ihre nahtlose, jedoch weit harmlosere Fortsetzung in den SM-Studios der Moderne findet. Christliche Wiedergeburt durch Taufe, nicht die Zeugung, stellt nach der moralisierenden Lehre die beste Vorsorge für die Zukunft dar, die jedoch in ihrer klaren Missverständlichkeit zu einer Kultur des Todes beitrug.

„24/7 The Passion of Life“ findet wahrhaft dauernde Kontinuität durch die Gleichberechtigung der spirituellen Geburt, die auf spirituellem Verkehr beruht, mit der Erkenntnis des K örperlichen, das auf körperlichem Verkehr beruht. Erst beides in Kombination nimmt den Menschen in seiner „Ganzheit“ ernst und drängt auf Heilung. Heilung, die dem Menschen in dieser konkreten Gesellschaft vorenthalten wird. Gleichsam wie Prometheus, versucht die Szene von Sado-Masochisten und Swingern dieses „göttliche Licht“ des angenommen Seins in ihre Subkultur zu retten.

 

Der Prometheus dieses Werkes ist die wohlbehütete Hotelierstochter Eva. Marina Anna Eich, die ihre Laufbahn einst bei den Oberammergauer Passionsspielen begann, spielt hier überzeugend die Tochter aus bürgerlichen Milieu, die bei einer Motorradpanne die Domina „Lady Maria“ kennen lernt, und mit Marias Hilfe sich auf die Suche nach ihrer erotischen Identität macht. Mira Gittner brilliert als Domina „Lady Maria“. Beide lassen ihre Erfahrungen und ihre Sehnsucht mit der christlichen Religion wie eine Kakophonie der Psyche schwingen. Sehnsucht des Verstanden- werdens, die in ästhetisch überhöhten Bildern religiöser Szenen ausgedrückt wird. Zu Beginn des Filmes die Darsteller in Positur der Hl. Familie. Ebenfalls passt hierzu die bizarre Szene, wie die eines Theologiestudenten, der sich erst durch eine Christus-Kreuzigungs-Performance mit Gott und seiner Triebhaftigkeit aussöhnt. Dennoch provoziert der Film nicht mit der Blasphemie einer kindlichen Abwehrreaktion gegen die einschnürende Gewalt der christlichen Morallehre. Vielmehr deckt der Film die verworrenen Verbindungen zwischen unserer Religion und einer Schmerzlust-Sexualität auf.

 

Wie bei Mel Gibsons „Passion of Christ“ wird das Streben, Leiden und Sterben des Menschen thematisiert. Auch hier mündet das Finale in einem Moment der Erlösung durch Leid. In „vaginalen Fenstern“ wird die neue, wiedergeborene Perspektive der „Selbsterschaffung“ als „Deus ex Machina“ thelemischer Philosophie am Ende des Filmes aufgegriffen. Eine versuchte Versöhnung zwischen Himmel und Hölle, die ihren Ausdruck darin findet, dass die Hotelierstochter Eva als nackter Engel aus der Vagina der „ewigen Mutter“ entspringt.

 

„24/7 The Passion of Life“ ist eine gelungene Breitseite voluntaristischer Kritik, die Fehlentwicklungen allgemeingültiger Konditionierungen aufzeigt. Dadurch schält sich die theologische Botschaft des Filmes heraus. Der postmoderne Mensch in seiner Zerrissenheit findet Heilung durch die Akzeptanz und Erkenntnis seiner Schatten. Die normierte Religion scheint hier zu versagen. So sucht der Mensch seine Spiritualität an anderen Orten. Diese theologische Qualität kann dem Film rechtmäßig zugesprochen werden: Erlösung kann nur ganzheitlich geschehen, und die Sexualität gehört zum ganzen Menschen einfach dazu. Subtil wird die Frage nach Gott gestellt. Weniger der Gott von außen, mit seiner richtenden Gewalt, dessen Perversion erst die Geburt sexueller Subkulturen ermöglichte, sondern der heilende Gott, der ebenfalls im Menschen zu finden ist. Ergreifend schildert Rebers Film die Suche nach Heil und Heiligung mit absurd-komischen Szenen und melodramatischen Sequenzen. Die Beichte eines Theologiestudenten bei der Domina, die Identifizierung der Domina mit Maria, und gleichsam mit der „Urmutter“ allen Seins, sowie die postreligiöse Sinnfindung der „Wellness-Kultur“ geprägten Hotelierstochter Eva – dies alles mündet in die Welt der mentalen Selbsterschaffung durch Überwindung gesellschaftlicher Konditionierungen. Jedoch findet sich hier auch der entscheidende Kritikpunkt. Eine göttliche Selbsterschaffung ohne Gott? Eine Matrize ohne Vorlage? Dies kann es und wird es für die Theologie nicht geben. Heilung ist nicht aus sich selbst heraus möglich. Und auch dies zeigt der Film durchaus auf.


(Quelle: Federico Tolli, Bischof der Freikatholischen Kirche zu Wiesbaden, Theologe)

programmkino.de

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Rezension von Thomas Engel



Die Hotelierstochter Eva trifft bei einer Motorradpanne zufällig auf die „Soziologin“ Magdalena, die als Domina „Lady Maria“ in einem SM-Studio arbeitet. Die beiden Frauen freunden sich an. Magdalena nimmt Eva mit in ihr Studio, und da tut sich dieser eine neue, bisher versteckte Welt auf. Eva fängt an, ein anderes Verhältnis zur Sexualität zu gewinnen, die bisher von den üblichen moralischen Normen geprägt war. Sie besucht, zunächst nur aus Neugier, Swingerclubs, Stripteasebars und ähnliche Einrichtungen.

 

Jetzt ist Eva gewissermaßen aus ihrem Sexualitätsschlaf aufgewacht. Jetzt trennt sie Liebe und Sex – Mike, der sich in sie verliebt, stößt sie ab -, jetzt will sie erfahren, was reine Lust ist. Sie weiß, dass mit Lust und Sex auch Schmerz und Scham verbunden sein können.

 

Die Sache geht tiefer. Wieviel Unglück war mit den bei uns geltenden moralischen Normen verbunden! Wer hat sie aufgestellt? Das Christentum? Mit welchem Recht? Wie sind die historischen Bezüge?

Das alles wird ausführlich aufgeworfen. Magdalena (Lady Maria) ist die Haupttheoretikerin. Umrahmt werden Theorien und Darstellungen mit geistlicher Musik (Laudate Dominum, Mozart-Requiem, Ave verum, Messias, Ave Maria, Schubert-Kirchenlieder). Passend? Geschmacksache. Umrahmt wird auch mit Poesie. Einige sehr lyrische und sehr schöne Passagen sind dabei.

Weitaus am problematischsten sind die religiösen, direkt kirchlichen Bezüge. Hier fehlt die nötige Klarheit und Tiefe. Hier lässt die Bildphantasie die Theorie bewusst im Stich und hinter sich. Nicht wenige werden zurecht von Gotteslästerung sprechen.

 

Die beiden Hauptdarstellerinnen leisten gute Arbeit. Aber filmisch und sexuell gibt es keine Grenzen. Viele Tabus werden gebrochen – am stärksten mit der Darstellung eines „Perversen“ am Kreuz.

Wunderbar ist die Kameraarbeit. Viele Lichteffekte sind vom Feinsten. Und insgesamt ist der Film trotz des ungewöhnlichen, ja teilweise gefährlichen und voyeuristischen Terrains, auf dem er sich bewegt, ein heißer Diskussionsstoff. Sogar in Filmkunsttheatern und Programmkinos.

 

(Quelle: www.programmkino.de)

Erlösung garantiert?

Erlösung garantiert?


Im Dreieck „Identität – Sexualität – Religiosität“ tastet sich Roland Rebers 24/7 THE PASSION OF LIFE an Wesensmerkmale menschlichen Lebens heran.

 

Auf der Folie von SM und sexueller (Grenz-)Erfahrungen setzen sich die Akteure mit der christlich-abendländischen Sexualmoral genauso auseinander wie mit ihren eigenen Trieben und Lüsten. Finden sie mit religiös-sexuellen Ritualen zu sich selbst, entdecken sie im Sex Wege aus ihrer Einsamkeit, erlöst sie Unterwerfung von ihrer Sünde? Wer dem Film auf seiner Reise durch SM-Studio und Swingerclub folgt, erlebt in ausdrucksstarken Bildern Abgründe wie Höhenflüge von Menschen, die auf der Suche nach sich selbst, ihrer Körperlichkeit und ihrem Gott sind.

 

(Christian Herz, Dipl. Theologe)

Münchner Merkur - Brave Bürger, Sex und Melancholie

Im Hobbykeller
Brave Bürger, Sex und Melancholie.


Münchner Merkur – Kultur, 16.02.2006

Rezension von Zoran Gojic
(Filmbewertung: Sehenswert)

Hinterher ist man ein bisschen ratlos, nur eines steht fest: Dieser Film unterscheidet sich von allen anderen deutschen Produktionen der letzten Zeit. Regisseur Roland Reber erzählt eine eigenwillige Fabel aus dem kollektiven Hobbykeller dieses Landes. In dem leben die Menschen ihre Begierden, Sehnsüchte, Leidenschaften aus. Dramaturgischer Aufhänger ist das Treffen von Eva (Marina Anna Eich) und der Teilzeit-Domina Magdalena (Mira Gittner). Eva beginnt, unter fachkundiger Anleitung ihre eigene Sinnlichkeit und Sexualität zu erforschen.

 

Dabei entdeckt sie zu ihrer Verblüffung, dass sehr viele biedere Zeitgenossen nach Feierabend den Sinn ihrer Existenz in exzessiv gelebtem Körperkontakt suchen.

Ohne Fördermittel auf eigene Faust gedreht, erfüllt "24/7 - The Passion of Life" weder formal noch technisch die Kriterien eines Kinofilms. Und so wirken die Szenen in den Sado-Maso-Studios und Swingerclubs steril, hölzern und trotz aller Freizügigkeit verklemmt. Was einen daran so fasziniert, ist der Verdacht, dass es tatsächlich so zugeht. Durchschnittsbürger, die sich treffen, um etwas Verruchtes zu tun - ein Kegelverein ohne Unterhosen sozusagen. Reber hat den Mut, seine Geschichte mit lyrischen Zwischenspielen zu brechen, in denen die Protagonisten über Tun und Motivation philosophieren. Da keimt sogar Humor auf. Aber der Grundtenor ist melancholisch. Die Suche nach echter Nähe, die immer erfolglos bleibt, die hilflose Hoffnung darauf, Sexualität und Liebe trennen zu können, die rastlose Flucht in immer neue Leiden, um die alten zu vergessen - das hat Reber gut eingefangen, auch wenn seine Reflexionen nicht immer ganz so tiefgründig sind, wie sie tun.

 

Ein sehenswerter Film, den man vielleicht nicht mögen muss, aber der einen immerhin zum Nachdenken bewegt. Allzu viele Filme, von denen man das ernsthaft behaupten könnte, gibt es nicht.

Sehenswert  - Zoran Gojic


(Quelle: Münchner Merkur vom 16.2.2006)

Ein intellektuelles Kunstwerk

Ein intellektuelles Kunstwerk


Rezension von Anja Boromandi/Ricore Text

Regisseur Roland Reber ist es gelungen, ein Tabuthema lyrisch und poetisch aufzubereiten. Vor allem die eindringlichen Bilder in Kombination mit der außergewöhnlichen Musik machen "24/7 The Passion of Life" zu einem intellektuellen Kunstwerk.

Da die Handlungen im Domina-Studio in einen religiösen Kontext gesetzt werden, ist zu erwarten, dass die Amtskirche wohl kaum ihren Segen dazu gibt, was angesichts des Themas eh nicht zu erwarten ist. Aber darauf kommt es dem Regisseur auch nicht an. Er fordert mit seinem Werk mehr Toleranz und möchte mit der falschen Doppelmoral in unserer Gesellschaft aufräumen.

"Jeder von uns hat mit Sicherheit den einen oder anderen in seinem Bekanntenkreis, der der SM-Szene angehört, aber keine Ahnung davon hat". Gedreht wurde in einem echten Domina-Studio. Neben den Schauspielern wirkten auch einige Laiendarsteller aus der SM- und Swingerclub -Szene mit, was das Ganze noch authentischer macht.


Anja Boromandi/Ricore Text

(Quelle:http://www.lycos.de/entertainment/kino/filmreporter/film_story.html,,id=15772/24-7-passion-of-life.html)

Das ist Filmemachen vom Feinsten

Das ist Filmemachen vom Feinsten


24/7 THE PASSION OF LIFE ist eine mächtige Bestätigung des Lebens, das mit kompromissloser Wahrheit die Verlogenheit und den Selbstbetrug unseres Lebens, unserer Kulturen und Religionen, erforscht, die den Mensch in der Äußerung und Erfüllung seiner intimsten sexuellen Sehnsüchte gerne Roboter-ähnliches Verhalten aufdrücken möchten.

Seht dieses Werk mit weit offenem Herzen und Geist und ihr werdet eure innersten Sehnsüchte und sinnlichen Gedanken sehen, brillant wiedergespiegelt von Marina Anna Eich, Mira Gittner, Christoph Baumann, Michael Burkhardt, Reinhard Wendt und allen anderen dieser hervorragenden Besetzung. ...

Das ist Filmemachen vom Feinsten.

 

(Gordon Weaver, Filmpublizist, USA - leitete bei Paramount die Bereiche Marketing und Öffentlichkeitsarbeit)

Connection - Leidenschaft fürs Leben

Leidenschaft fürs Leben

von Christine Janson

Der Film hat mich tief berührt. Er zeigt sehr behutsam auf, wie Menschen ihre geheimsten sexuellen Wünsche ausleben – ohne dabei zu bewerten oder zu verurteilen. Die Domina und Soziologin Lady Maria wird hervorragend gespielt von Mira Gittner. Sie entspricht dem Archetyp der Liebesgöttin, die den Menschen über seine Sexualität mit sich selbst und seiner Göttlichkeit in Verbindung bringt. Die Wandlung der konservativen Hotelierstochter Eva zur hemmungslosen Verführerin wird von Marina Anna Eich eindrucksvoll dargestellt. Ein unterhaltsamer Spielfilm, der durch seinen offenen Umgang mit Sexualität und Liebe sehr unter die Haut geht. Ein Film, der nichts beschönigt und damit keinen gleichgültig lässt. Absolut sehenswert!

 

(Quelle: Connection spezial II/05)

Kult-Film!

Kult-Film


Anmerkungen zum Film 24/7 Passion of Life

von Alfred Rott, OStR, Dipl. Theologe

Der Film: ein packender Zugang zum Thema Sexualität, das die Menschen seit alters umtreibt, zu einem Thema, das Moralhüter – religiöser oder anderer ideologischer Herkunft – immer wieder leider mit Erfolg okkupiert und gründlich missbraucht haben, um Menschen zu gängeln und zu entmündigen. Der Film ist ein (gewagter) Versuch, diese Angst- und Sünde-Praxis, die in den Seelen bis heute (mehr unbewusst) wabert, entgegenzutreten: auf originelle, erfrischende Art.

Eine der zentralen klugen Fragen der Film-Macher ist wohl die: wie kommt es, dass die wunder-volle „Sache“ Sexualität aus dem hellen Licht in Untergründe geraten ist. Und so sucht der Film Bereiche auf, in die sich die verdrängte Lust (und ihre „Perversion“?) zurückgezogen hat. In der SM-Szene trifft sich ja diese paradoxe Koinzidenz von sexuellem Lustgewinn und Unterwerfung = Opfer-Sein. Das hängt in unserer westlichen Tradition sicherlich mit der Verherrlichung des Kreuzes (statt der Auferstehung) zusammen.

 

Die uralte Frage nach Gott – auch sie ist im Film zentral, wenn auch sehr subtil – und was er ist und wo er ist (vielleicht doch eher „zwischen den Beinen“ als in einem goldenen Tabernakel). In goldenen (?) Käfigen sitzen sie alle, gerade auch die reiche Hotelerbin – und sie ist’s, die ihren Käfig verlässt. Sie überzeugt mit ihrer Lust sich und ihren Luxuskörper  darzustellen. Da freuen sich die Zuschauer im Club, auch die im Kino.

 

Wohl in allen Religionen gibt es immer wieder Strömungen durch die Jahrtausende, die die Sexualität und ihre unerschöpfliche Vielfalt als heilig gepriesen haben (heilig – heil – ganz: holy - hole); siehe die Praktiken der Tempelprostitution, ja selbst die etwas weniger griffige „Heiligkeit der Ehe“ der christlichen Moraltheologie. Wenn Teilhard de Chardin Recht hat, erleben wir gerade eine (neue) Revolution der Liebe. Dass dunkle, rückwärtsgewandte  Mächte diese verhindern wollen, ist klar; doch diese Mächte sind nicht dort, wo Kirchenpatriarchen ebenso wie Imame und Muftis sie lokalisieren wollen. (Das Böse ist wohl eher bei jenen zu finden, die genau wissen, wo es zu finden ist.)

 

Melancholisch hat mich der Film auch gestimmt. Z.B. die Figur der „Elfriede“ lässt mich nicht los: Der

kriegs-traumatisierte alte Herr (er weint, als er davon erzählt) findet seine Er-lösung in der Rolle der servilen Dienerin; ich wünschte ihm, dass er eine Befreiung hätte erleben können (politisch und natürlich sexuell: in einer „wahren“, d.h. partnerschaftlichen Hingabe an eine Frau, die auch ihrerseits zur Hingabe fähig ist.

 

Aber: der Film schildert wohl ein Leben, wie es eben auch wirklich ist – und gibt so eine Reihe von Botschaften, über die nachzusinnen besonders Theologen sich nicht scheuen sollten. Deshalb bitte ihn in einschlägigen Kreisen bewerben! Bei Leuten, die professionell mit Erlösung (womöglich vor dem Tod), mit Lust und Liebe (und ihrer Verhinderung) zu tun haben, das sind z.B. Psychotherapeuten und andere Seelsorger.  Gut vorstellbar, dass ReligionslehrerInnen ihn würdigen – und mit ihren Oberstufenschülern zum Thema machen wollen. Gut wohl auch als Alternative zu mieser Porno-„Aufklärung“ in den einschlägigen Medien („Vermittlern“), derer Kinder und Jugendliche (und nicht  nur sie) sich so gern bedienen.

 

Herzlichen Glückwunsch allen Beteiligten! Und die baldige Erfolgsstory als Kult-Film!

 

(Alfred Rott, OStR, Dipl. Theologe, Autor v. „Das Liebe-Prinzip“)

Scham ist nur Angst vor dir selbst

Scham ist nur Angst vor dir selbst


SM dient in Film und Fernsehen gewöhnlich nur als Quotenbringer. Nicht wenige interessiert das Thema oder zumindest die aufreizenden Outfits der Darsteller. Und nach einigen verstohlenen Blicken und dem Auskosten des angenehmen Kribbelns kann schnell wieder die Nase gerümpft werden und mittels einem gemeinschaftlich angebrachten und auch geforderten „iiihhh“ oder „bäääh“ nach außen Abstand demonstriert werden.

 

24/7 THE PASSION OF LIFE ist nun der erste deutsche Kinofilm, der SM ausführlich zeigt und dabei nicht missbraucht oder verzerrt darstellt. Es geht dabei um die Entdeckung und Verwirklichung der eigenen Sexualität sowie die allgegenwärtige Doppelmoral in unserer Gesellschaft. Mit eindringlichen Bildern und Texten zeigt der Film die Einsamkeit der suchenden Protagonisten auf, berührt die Zuschauer und zwingt zum Reflektieren über die eigene - nicht nur sexuelle - Identität und Selbstverwirklichung.

 

Auf dieser Suche nach dem eigenen Ich müssen selbstgewählte sorgsam errichtete und auch aufgezwungene Mauern niedergerissen werden, die unsere geheimen Phantasien und Wünsche umgeben. SM wird in diesem Film als ein möglicher Weg zur Wiederentdeckung und Ausleben dieser verborgenen Seiten dargestellt. Die wesentlich weiter verbreitete Verwendung von SM als eine zusätzliche und bereichernde Facette der Sexualität tritt daher in diesem Film bewusst in den Hintergrund. SM ist in 24/7 THE PASSION OF LIFE der Schlüssel zur eigenen Seele. Obwohl es letztendlich gar nicht um SM geht, zeigen sich in den eindrucksvollen Inszenierungen der in einem Münchner SM-Studio gedrehten Sessions die intensive Recherche und Zusammenarbeit mit Menschen aus der kommerziellen und nichtkommerziellen SM-Szene. Dem Regisseur Roland Reber gelingt es wohl dank seines unkonventionellen offenen Arbeitsstils alle Beteiligten zu einem beeindruckenden und überzeugenden Ergebnis zu fügen.

 

Sensationell ist dabei die Leistung von Mira Gittner. Ihre akribische Vorbereitung inkl. Hospitierens in einem SM-Studio als „Lern-Domina“ und ihr schauspielerisches Können führen zu einer absolut überzeugenden und jederzeit glaubwürdigen Darstellung der Domina Lady Maria. Marina Anna Eich steht dieser Schauspielkunst bei der Darstellung der auf der Suche nach sich selbst und der eigenen Lust befindlichen Hotelierstochter Eva nur wenig nach. Einige Rollen wurden erst während der Dreharbeiten aufgenommen. Insbesondere die beste Nebendarstellerin Elfriede ist aus 24/7 THE PASSION OF LIFE einfach nicht wegzudenken.

 

24/7 THE PASSION OF LIFE ist ein Film, der den Zuschauer berührt. Der je nach wissenschaftlicher Studie zwischen 5-10% schwankende Anteil SM’ler an der erwachsenen Bevölkerung muss sich ausnahmsweise nicht über eine verzerrte Darstellung von SM ärgern und dies ist angesichts SAT1, RTL und leider mehr und mehr auch der öffentlich rechtlichen Programme ein wahrer Segen.

SM’ler werden nun glücklicherweise auch nicht gleich als die besseren Menschen hochstilisiert. SM’ler werden als Menschen dargestellt, die sich im Ausleben ihrer Phantasien und Obsessionen der Suche nach der eigenen Identität stellen.

 

Und folgerichtig entlässt 24/7 THE PASSION OF LIFE den Zuschauer mit einem Aufruf zur persönlichen Standortbestimmung.

 

Aufwühlendes Programmkino mit Anspruch ohne erhobenen Zeigefinger. Absolut sehenswert!


(Robert aka Fan, AK SM&Kultur, München)

Neue deutsche Filmkunst

Neue deutsche Filmkunst


24/7 THE PASSION OF LIFE ist das gelungene Werk eines stark gefühlsorientierten Dramas der neuen deutschen Filmkunst. Regisseur Roland Reber hat durch seine Arbeit eine Inszenierung des Unglaubliche geleistet. Wie an einem roten Faden zieht sich die Handlung realitätsnah durch den gesamten Film.

 

Die schauspielerische Leistung der Haupt- und Nebendarsteller, insbesondere Mira Gittner und Marina Anna Eich glänzen in ihren Rollen. Schön ist es auch wieder, Sabine Krappweis in einer Nebenrolle eines Roland Reber Films zu sehen. Bewundernswert ist auch die Integration von Laiendarstellern im gesamten Werk.

Hier gelingt es dem Regisseur und seinen Schauspielern, dem Zuschauer kompromisslos und authentisch, eine Reise in die Welt der „Swingerclubs“ und „Tabledance Bars“ zu ermöglichen, dass man sich als Teil der Handlung verstehen muss. Festzustellen ist, dass es sich bei diesem Werk um echte Kunst handelt und nicht um einen primitiven Abklatsch eines Sexfilms handelt.

Dazu ist die Handlung auch viel zu ernst, dies wird jedem Betrachter bereits nach wenigen Minuten klar. Aufgrund der Tatsache, dass dieser Film ohne jegliche Filmförderung entstehen konnte, muss jeder Kritiker seinen Hut ziehen.

(Dietmar Wladek, Journalist)

Ein Film über Religion, Moral und Doppelmoral

Ein Film über Religion, Moral und Doppelmoral

Rezension von Michel und Geli, Schlagzeilen

Der wohl erste deutsche Spielfilm, der sich die Mühe macht, SM so zu zeigen, wie es ist. Wobei es allerdings kein reiner SM-Film ist. Sondern ein Film über den Umgang der Gesellschaft mit Sexualität an sich. Ein Film über Religion, Moral und Doppelmoral.

 

Die wohlbehütet aufgewachsene Hotelierstochter Eva lernt bei einer Motorradpanne die Domina Lady Maria kennen und stellt fest, dass ihr in ihrem Leben etwas fehlt. In ihrer heilen Welt gibt es alles – außer Sex, Lust und Erotik. Mit Marias Hilfe macht sie sich auf die Suche nach ihrer erotischen Identität. Eine Suche, die sie an jene (Un-)Orte führt, von denen alle so tun, als ob sie nicht existierten, und die es doch in jeder Stadt gibt: SM-Studio, Swingerclub, Stripteasebar. Und eine Suche, die sie in Konflikt mit dem Normierungszwang und der Doppelmoral der Gesellschaft bringt.

In „24/7 - The Passion of Life“ wird SM nicht als etwas außerhalb Stehendes, Perverses dargestellt, sondern als natürlicher Teil des Spektrums der Sexualität. So antwortet Lady Maria einem Studiogast, der sie fragt, ob sie sein SM für krank halte: „Nein, das ist nur ein Teil von dir. Und wenn du diesen Teil in dir nicht akzeptierst und lebst, dann wird er dich verfolgen, Tag für Tag, und davon würdest du krank. Krank ist nicht das, was du machst. Vielleicht die Schuldgefühle, die man dir eingetrichtert hat. Die sind vielleicht krank.“

 

Dass SM im Film so authentisch und natürlich dargestellt wird, liegt daran, dass das Filmteam im Vorfeld sehr gut recherchiert hat. Dabei haben sie nicht nur viel gelesen und Leute befragt, sondern auch ausprobiert. So hat beispielsweise Mira Gittner, die die Domina Maria spielt, vorher eine halbe Woche im SM-Studio als Zweitdomina assistiert. Und für bekennende Nicht-SMer haben die Macher des Films verdammt viel verstanden!

 

Vieles wirkt allerdings auch deshalb echt, weil es schlicht und ergreifend echt ist. So sind viele Nebenrollen mit echten SMern, Swingern und Stripperinnen besetzt, die sich einfach selber spielen. Wohl keinem Schauspieler wäre es gelungen, Personen wie Elfriede, das männliche Dienstmädchen von Lady Maria, oder die Gummisau Nr. 3, einen Stammgast, der im Studio in die Rolle eines Schweins schlüpft, so überzeugend und menschlich darzustellen. Auch das Studio, der Swingerclub und die Stripteasebar sind echt. Und einige der SM-Sessions sind es ebenfalls.

 

Zwar enthält der Film eine ganze Reihe sehr schöner SM-Szenen. Aber er lebt mehr von Worten als von Bilder. Denn in den Selbstgesprächen und Dialogen geht um das eigentliche Anliegen des Films: Um den Umgang der Gesellschaft mit der Sexualität. Um die Fesseln aus Religion, Normierungszwang und Doppelmoral, die die Gesellschaft der Lust anlegt. Und mit denen sie sie erwürgt. „Die Gesellschaft", so erklärt es Maria, die neben ihrer Arbeit als Domina an ihrer Doktorarbeit in Soziologie schreibt, "hätte gerne genormte Menschen, die funktionieren leichter. Aber kann man Gefühle normieren?“  ...

 

Der Film hat seine Deutschlandpremiere Ende Oktober diesen Jahres auf den Filmfestspielen in Hof. Er kommt im Januar in die Programmkinos. Die Termine werden wir hier bekannt geben. Und wir hoffen, dass wir ihn irgendwann im Laufe des nächsten Jahres im Fernsehen sehen werden. Zum Beispiel auf arte – denn da gehört er hin!

 

(Quelle: Schlagzeilen, www.schlagzeilen.com)

Die Frage nach dem wahren Ich

Die Frage nach dem wahren Ich


Rezension von Jörg Junker

Ein Film von NichtSMler über Smler? Oder doch eher die Frage nach dem wahren ICH, dem „richtigen 24/7“? Auf jeden Fall kein Film, der einem eine Anleitung vorlegt, um damit glücklich zu werden, sondern eher noch mehr Fragen aufwirft, damit man über sich selbst Gedanken machen kann.


Am 05. 12. 2005 wurde in der Münsteraner Kinoreihe „Erotische Identität – Szene – Gesellschaft“ der Preview des Filmes 24/7 THE PASSION OF LIFE gezeigt mit einer anschließenden Diskussion mit dem Regisseur Roland Reber und den beiden Hauptdarstellern Marina Anna Eich und Mira Gittner.
Die zwei Hauptfiguren des Filmes treffen sich bei einer Motorradpanne: die noch getrocknete Eva (Marina Anna Eich), wohlbehütete Hotelierstochter, und die Diplomarbeitschreibende Lady Maria (Mira Gittner) – Lady Maria: „Die Gesellschaft hätte gerne normierte Menschen, die funktionieren leichter. Aber kann man Gefühle normieren? Wer stellt denn diese Normen auf? Wer normiert uns? Und wer lebt uns? Viele sind nur Gelebte, keine Lebenden. Lebe dich.“. Ein vergessener Rucksack und die eigene Neugier führt Eva auf die Suche nach ihre wahren Sexualität.


Herrlich in dem Film ist, wie sich die beiden Handlungsstränge des Aufblühens der Eva und die alltägliche bizarre Welt der Lady Maria ineinander verweben und sich gegenseitig bereichern. Lady Marias Welt wird durch das vertraute 80jährige TV-Dienstmädchen Elfriede beseelt und manch ein realer Sklave kann von der Kollage der Gummisau noch einiges lernen; eine real existierende Gestalt, die die meisten Szenen mit Maske selber spielt, aber das Gesicht von einem Schauspieler bekommt und in manchen Szenen durch Marina Anna Eich ersetzt werden muss, wie in der anschließenden Diskussion zu erfahren war. Bereits nach kurzer Zeit ist vergessen, das es sich um ein B-Movie handelt, was an dem Ton und der nicht so aufwendigen Kameraführung zu sehen ist. Zu sehr wird man vom Filmschnitt, den beiden Handlungssträngen und wunderschönen Bildern gefangengenommen. Neben für sich selbst wirkenden Bildern werden Szenen umgesetzt, die an die INRIbilder der bekannten Photographin Bettina Reims erinnern. Auch dieser film hat seine Längen, doch ist in weitem Teilen dem Regisseur Roland Reber eine einfühlsame Beschreibung der bizarren Welt mit den sehr intimen Details gelungen, wobei es auch um Wahrheiten geht, die keiner hören will und die Folgen zu seiner Lust zu stehen. Umso beeindruckender ist, dass weder Regisseur noch die beiden Hauptdarsteller sich in den jeweiligen Szenen auskannten und für ihre Rollen die Swingerszene und die bizarre Welt eines Dominastudios kennen gelernt haben und diese beiden Rollen frei, von den bisher durch die Massenmedien bekannten verfälschten Unterstellungen, dargestellt haben. Das liegt zum großen Teil daran, dass die Produktion unabhängig ist und sich so keiner moralischen religiösen Instanz (die in Form von der so genannten Filmförderung existiert, wie von dem Regisseur dem interessierten Publikum erläutert wurde) zu unterwerfen hat.


Der Ursprung des Titel mit „24/7“ etwas irreführend, was daher kommt, dass bei ersten Ideen nicht der 24/7 Rollenbegriff aus dem BDSMbereich gemeint war, sondern sich das auf einen Begriff aus der amerikanischen Geschäftswelt bezog. Es soll auch eine „Director`s Cut“ – Version geben, doch diese kommt nicht in die Kinos, weil dann eine Indizierung zu erwarten wäre.


Lasst den Film einen Kassenschlager werden und zeigt so der institutionalisierten Gesellschaft wie viele sich für „so was“ interessieren; lasst Zahlen sprechen, die Besucherzahlen.

 

(Quelle: www.sm-in-nrw.de)

Fantastischer Film. Mutig. Menschlich. Kraftvoll

Fantastischer Film. Mutig. Menschlich. Kraftvoll


Rezension von Thomas Sing, Geisteswissenschaftler, Universität Augsburg

24/7 - The Passion of Life – Was heißt das?


Die Passion des Lebens, immer. Leben heißt Leidenschaft, Leiden und Lust zugleich, untrennbar, unumgänglich, unhintergehbar, aufschiebbar zwar, aber nur um den Preis des Verlusts, des Verstoßenseins vom Leben. Passionsgeschichte – die religiöse Brisanz steckt bereits im Titel – als Geschichte des Leidens und des Lebens: es ist der Mensch, der hier befragt wird, der doch selbst nur Frage ist und dessen einzige Erlösung seine jeweils ureigenste Sünde ist: sie zeigt ihm sein Kreuz, das er zu tragen hat und dem er nur entkommt, indem er sich selbst verfehlt. Ein Film mit der Wucht von Sisyphos’ Stein, der auf die Fassaden eines verschlafenen Berghotels zurollt, in dem noch alles in Ordnung ist, so wie es sein soll … Ein Film, der mit religiöser Symbolik zwar operiert, sie aber mit Nietzsches Hammer prüft, karnevalesk, stets ein Lachen auf den Lippen, das die Semantik unserer gewohnten Ordnung zerreißt. Der religiöse Prätext, dem Menschen wie ein Brandmal inskribiert, erscheint von Anfang an dekonstruiert, seine Zeichen jedoch sind nicht so einfach aus der Welt zu schaffen; anders gesagt, als ungeheure Provokation: wenn Gott schweigt, vielleicht kann Satan antworten? Wenn der Vater abwesend ist, die Stringenz der Genealogie versagt – vielleicht gibt es einen Anderen, einen der da ist, der in der Welt ist, in mir ist, der Narr, den ich verdrängt habe und der sein Recht beansprucht, gehört zu werden – und den ich, will ich zu mir selbst finden, notwendig hören muss. Und vielleicht ist er gar nicht so böse, wie man uns seit zwei Jahrtausenden erzählt. Vielleicht, dies scheint mir die wichtigste Frage dieses Films zu sein, ist die Schuld viel eher bei einer Gesellschaft zu suchen, die habituelle Werte wie ‚gut’ und ‚böse’ unhinterfragt von Generation zu Generation weiterschleppt und den Menschen zwingt, sich zwischen ihnen zu entscheiden …


Satan, dies wird in einer zentralen Stelle des Films deutlich, ist die tragischste Figur einer großen Erzählung: Seine Weigerung, etwas anderes als Gott anzubeten – den Menschen nämlich – verstößt ihn aus seinem Einssein mit Gott. Der christlichen Theologie ist mit der Interpretation Luzifers als chthonischem Antipoden Gottes (der immer noch eine Funktion Gottes ist) ein fantastischer Schachzug gelungen: Indem sie Gott (das Alles) in einen göttlichen (hohen, guten) und einen teuflischen (niederen, bösen) Aspekt spaltet, dissoziiert sie gleichermaßen den Menschen – auf der einen Seite stehen systematische gesellschaftliche Gebote, die dem Menschen eine Ordnung geben und all das ausdrücken und zulassen, was ihn in dieser Ordnung hält (Sinn, Struktur, Sprache, Gesetz, Staat, Hierarchie, Arbeit, ...), auf der anderen, lichtabgewandten Seite finden wir als Verbote all das, was von vornherein jeder Ordnung entgegengesetzt ist, jedes System aufbricht und aufbrechen muss: freies Spiel, sinnzerstörendes Lachen, entgrenzende Ekstase und Lust, und so fort.


Dass man all diese ‚dionysischen’ Aspekte nicht vom Menschen wegrechnen kann, ohne den Menschen wegzurechnen, hat die Geschichte von Anfang an gezeigt, und die Lenker der Geschichte haben zu jeder Zeit damit gerechnet und darauf vertraut, indem sie stets versuchten und noch immer versuchen, alles Abgründige am Menschen für ihre Zwecke zu funktionalisieren und in Kriegen, in Folter und staatlicher und gesellschaftlicher Gewalt zu kanalisieren. Die Aufklärung – unbenommen ihrer Leistungen – hat daran wenig geändert: Zwar hat sie das Primat eines Gottes und die Macht seiner Vertreter geschwächt und bezweifelt, doch indem sie ihre neue Sicht der Dinge allein auf Rationalität stützt, stärkt sie das Individuum einerseits zwar enorm (emanzipiert es gewissermaßen, indem sie ihm die Macht der Begründung seiner selbst zurück gibt), verstärkt das alte Dilemma dadurch aber noch: die Korporalität und die Evidenz ihrer Äußerungen bleiben obszön, hors-scène: hinter der Bühne, unter dem Teppich…


D.A.F. de Sade beginnt, radikal wie kein anderer, die Bewegung der Aufklärung literarisch so schwindelerregend zu beschleunigen, bis sie heiß läuft und im Massenmord endet. Sein Versuch, dem labernden Rationalsadismus eine Pornosophie der menschlichen Dinge entgegen zu stellen, bleibt Andeutung und bis vor Kurzem unerkannt. Georges Bataille unternimmt es Mitte des 20. Jahrhunderts, Sade lesbar zu machen, indem er ihn mit Nietzsche liest und ohne Hegel zu hintergehen, der bekanntlich „immer recht behält, sobald man den Mund auftut“ (Derrida). Mit der Frankfurter Schule beginnt dann auf breitem Boden die ungeheuerliche Anstrengung, all das wieder zu finden, was eine Aufklärung (die, glaubt man Adorno, bereits mit Homer beginnt) dem Menschen genommen hat, indem ihre Dialektik die Vernunft zum einzigen Agenten menschlichen Seins deklariert hatte. Postmoderne und Poststrukturalismus sind ein erster Versuch, das Unaussprechliche (das, was die Rationalität nicht sagen kann, weil ihre Logik der Signifikation beim Anblick einer Hure mit geöffneten Beinen versagt) zu umkreisen, sein Dasein anzuerkennen und für sein Recht (das Recht des Anderen, das wir nicht artikulieren können, weil es in unserer Sprache keinen Platz dafür gibt) zu streiten.


Sadomasochismus: das Andere… – Gewalt die keine Gewalt ist und doch nichts als Gewalt, Lust die keine Lust ist und doch nichts als Lust. Die Grenzen unserer Sprache sind die Grenzen unserer Welt… Wittgensteins Satz ist fundamental wahr, doch was, wenn es zwischen wahr und falsch ein Drittes gäbe? ‚Wahr und falsch zugleich’? Nun gut, kann man einwenden, das ist eine Binsenweisheit, die Wahrheit liegt immer irgendwo dazwischen. Das mag sein, doch für das Denksystem westlicher Welt ist das nicht selbstverständlich: unsere Sprache, zumindest unser Verständnis davon, ist oppositionell strukturiert in einem relationalen System, Sie könnten nicht verstehen was ‚hell’ bedeutet ohne ‚dunkel’ zu kennen, es hätte keinen Sinn, zwischen ‚Mann’ und ‚Frau’ zu differenzieren, wenn es gar keine Frauen gäbe, usf. Und dass es Hermaphroditen gibt, ist für viele eine Unsäglichkeit; die meisten Eltern, die einen Zwitter bekommen, lassen ein Geschlechtsmerkmal nach der Geburt amputieren, so haben sie mehr Gewissheit und ihr Kind hat einen eindeutigen Platz im System der Geschlechter; dass ihre Entscheidung oftmals die falsche war, zeigt sich, wenn 20 Jahre später eine Geschlechtsumwandlung folgt, die dann vielleicht immer noch keine Zufriedenheit bringt, weil lediglich von der einen Eindeutigkeit in die andere gewechselt wurde und der ursprüngliche indifferente Zustand der Alterität unwiederbringlich verloren ist.
Ich bringe dieses Beispiel hier, weil es zeigt, wie konstruiert ein oppositionelles System von positiv und negativ ist, und wie leicht es durch das Leben, das sich nun einmal in Nichts auf eine solche binäre Logik reduzieren lässt, ins Wanken kommt. Und es zeigt, wie unangemessen, unzulänglich und letzthin traurig unsere Versuche sind, das Leben unserem Denken anzupassen.
Der Film 24/7 ist ein Versuch, diese Gewohnheit zu brechen und umzukehren. Ein Versuch, unser Denken dem Leben anzupassen. Ein mutiger Versuch in einer Zeit, deren Tendenz es ist, Leben und Denken einer allgegenwärtigen Ökonomie der Nützlichkeit anzupassen.


Dass uneinvernehmlicher Sadismus als Gewalt gegenüber einem Opfer (Hypotaxe) und Sadomasochismus als spielerische (wenn auch reale) ‚Gewalt’ mit einem Partner (Parataxe) nichts miteinander zu tun haben, dass der eigentliche Zwang der Folter und der uneigentliche des erotischen Spiels zwei gänzlich verschiedene Dinge sind, das ist einem Sadomasochisten natürlich klar. Den ‚normalen’ Menschen gegenüber, die an den Praktiken der peitschenschwingenden Community keinen Gefallen finden, muss man das hin und wieder betonen. Eben weil es schwierig ist, sich in Sadomasochisten hineinzuversetzen: Wie kann es schön sein, wenn es doch weh tut? Wie kann ich mich frei fühlen, wenn ich mich unterwerfe, usf. Es ist nicht einfach, sich das vorzustellen, man muss es sich auch gar nicht vorstellen können, für sich selbst, aber wenn mir zwei freie Menschen versichern, dass es so ist, und dass sie so glücklich sind, dann sollte ich es als Mensch des 21. Jahrhunderts akzeptieren. Bemühungen gab es in den letzten Jahren einige: Die deskriptive soziologische Studie Sadomasochismus – Szenen und Rituale von Steinmetz, Wetzstein, Reis und Eckert aus dem Jahr 1993. Nachhaltige und verdienstvolle Öffentlichkeitsarbeit aus der Szene selbst. Gelungene Ausstellungen zum Beispiel zu Sade in Zürich (2001/2) und zu Sacher-Masoch und dem Masochismus in Graz (2003). Auf geisteswissenschaftlicher Ebene etwa die Neuübersetzung de Sades durch Zweifel und Pfister (1990-2002), und deren daran anschließende Forschungen (ihnen verdanke ich das oben verwendete Wort Pornosophie), auch wenn sie mit praktiziertem Sadomasochismus nur ganz bedingt zu tun haben. S/M ist heute zwar vielerorts kein Tabuthema mehr, zumindest kein Grund mehr, aus der Gesellschaft ausgestoßen zu werden, aber das Bild, welches die Medien der Öffentlichkeit präsentieren, ist in aller Regel ziemlich überdreht und verzerrt, abgesehen von einigen erfreulichen Ausnahmen, wie beispielsweise die ARD-Reportage Unter deutschen Dächern – Das soll Liebe sein? (1994). Die öffentliche Anerkennung, die sich die schwule Szene Jahrzehnte lang erkämpft hat, genießt die S/M-Szene noch lange nicht, auch wenn ich glaube, dass sie nicht den selben Weg gehen muss, weil Sadomasochismus in der Gesellschaft wohl unterschwellig immer eher akzeptiert war (lange nur als einseitiges Missverständnis: Krafft-Ebing beschreibt den Sadismus des Mannes und den Masochismus der Frau noch um 1900 als etwas gewissermaßen naturgegebenes).
Was das Kino angeht, gab es bisher – vielleicht bis auf Secretary (2002), aber die beiden Filme sind nur schwer zu vergleichen – keinen Film, der so ehrlich und unvoreingenommen mit der Thematik S/M umgeht wie 24/7. The Passion of Life ist ein erfreulicher, ein wichtiger, ein zutiefst sozialer Film; zwar zeigt er nur einen Teil des Spektrums sadomasochistischen Lifestyles, den kommerziellen des Domina-Studios nämlich, doch er tut dies sehr schlüssig und erhellend, und vielleicht ist eine solche Engführung sogar notwendig, um im Rahmen eines Kinofilms eine genügend verdichtete, haltbare Aussage zu machen. Vieles an diesem Film ist hervorzuheben: die Authentizität der Figuren, der psychologische Sachverstand, mit dem der Film sich ihnen nähert, ihr Innerstes nach außen kehrt, ohne ihnen zu nahe zu treten, ohne sie in irgend einer Weise zu desavouieren. Trotz seiner theatralischen Inszenierung ist 24/7 so weit wie nur irgend möglich vom Sensationsjournalismus entfernt. Dass es trotzdem ein Kinofilm ist, der ein großes Publikum anspricht, und kein Film aus der Szene für die Szene, ehrt seine Macher umso mehr.


Die enorme Leistung dieses Films sehe ich jedoch in seiner gelungenen Darstellung der Transformation von Religion in menschliche erotische Kommunikation. Eine Stelle aus Georges Batailles Innerer Erfahrung hat sich mir geradezu aufgedrängt, als ich 24/7 gesehen habe:
Was dem äußersten Wissen für immer fehlt, ist das, was allein die Offenbarung gewährte:
eine willkürliche Antwort, die besagt: „du weißt jetzt, was du wissen musst; was du nicht weißt, ist das, was du nicht zu wissen brauchst: es genügt, dass ein anderer es weiß, und du hängst von ihm ab, du kannst dich mit ihm vereinigen.“


Ohne diese Antwort ist der Mensch der Mittel beraubt, alles zu sein, er ist ein verstörter Narr, eine ausweglose Frage.

 

Die traditionelle Religion sagt dem postmodernen Menschen nichts mehr, sie begründet ihn nicht mehr, sie hält ihn nicht mehr. Die Kultur gebiert die verschiedensten Formen, um dieses Dilemma des solipsistischen Menschen zu lösen (das schon immer das Dilemma des areligiösen Menschen war), den Panzer seines Alleinseins, seiner Schuld mithin, zu lösen und aufzuarbeiten: Spiritualität und Meditation, Naturreligion, modern primitivism, Sexualität im weitesten Sinn. Sadomasochismus, wie ich ihn verstehe, ist eine solche Form der Katharsis, der Reinigung, der Meditation, der Vereinigung mit einem Anderen. Ein Ritual unter vielen. Zwischen Menschen, die sich ihres Menschseins vergewissern, menschlich allzumenschlich sind und dennoch und gerade deswegen vom Anderen gehalten und getragen werden. Nicht mehr und nicht weniger. Und genau das zeigt 24/7. Auch wenn es die professionelle Domina ist, die sich ihre Priesterrolle bezahlen lässt. Die ‚Erlösung’ ihrer Adepten jedenfalls ist echt, und sie ist schauspielerisch mehr als überzeugend dargestellt. – Eine Erlösung, die nie anhält, nicht von Dauer ist, von der aus wieder die Einsamkeit angesteuert wird; eine Erlösung jedoch, die uns einen Moment lang bei uns selbst verweilen und in uns ruhen lässt. La petite mort eben, ein neuer Anfang …

 

(Thomas Sing, Geisteswissenschaftler, Uni Augsburg)

Junger deutscher Film jenseits von Porno

SM als safer Machart  Annäherung an bizarre Sex-Welten – Junger deutscher Film jenseits von Porno.

Dhiva, special interest Magazin Schwerpunkt Frauen und sexuelle Gesundheit

Igk. Wer sich für SM interessiert, kann im Internet surfen oder gleich einen Termin mit einer kommerziellen Domina oder einem Dominus- vereinbaren. Wer die Sache etwas zurückhaltender angehen möchte, kann Bücher lesen oder Filme anschauen. Ab Februar 2006 lohnt auch ein Kinobesuch. Denn dann läuft bundesweit „24/7 The Passion of Life“ an. Hier darf die Zuschauerin dabei sein, wenn ein gelangweiltes Blondchen zufällig einer erfahrenen Domina begegnet. Und wie das höhere Töchterchen dann versucht, der Ödnis ihres Daseins mit Ausflügen in die weiten Gefilde des bizarren Sex zu entkommen. So kurz könnte die Beschreibung ausfallen für den Film, der mit seinem Titel darauf anspielt, dass manche Menschen gern für 24 Stunden am Tag und an sieben Tagen der Woche in bizarre Welten abtauchen wollen. Überhaupt müsste der Film nicht in der Dhiva erwähnt werden, wäre er nicht einer der ganz wenigen Filme, die eine große Bandbreite der SM–Welt vorstellt, ohne allzu voyeuristisch, pornografisch oder klischeehaft daher zu kommen.

Das Filmteam um Roland Reber hat nämlich getan, was allen Neugierigen im SM–Bereich anzuraten ist: offen und neugierig mit dem Sujet umgehen. Die gründlichen Recherchen in Domina- Stundios, Swingerclubs und Striptease–Bars sind dem Film anzumerken. Offenbar war die Crew sensibel genug, um von Sexualarbeiterinnen und Betreibern tiefere Einblicke zu erhalten. Natürlich ist der Film nicht als Lehrfilm gedacht, bestenfalls als Parabel. Denn er ist künstlerisch ambitioniert und vielschichtig. Und deshalb auch für diejenigen sehenswert, die sich einfach an opulenten Bildern aus einer inszenierten Sex-Welt erfreuen wollen. Am Besten sieht man sich den Film sowieso zusammen mit der besten Freundin an. Dann lässt sich hinterher trefflich fachsimpeln und diskutieren, ob das eigene Sex-Leben ein bisschen Pep durch SM verträgt.

 

(Quelle: Dhiva, special interest Magazin mit dem Schwerpunkt  Frauen und sexuelle Gesundheit)

Kurz-Statements zum Film

  • Der Film bemüht sich um einen ehrlichen Einblick in die Schattenseite der deutschen Seele ohne diese ironisch wegzubügeln. Die Körper werden zu einem Hort schmerzhafter Erinnerung. Besonders gut hat mir die Rolle Elfriede mit ihrer Kriegsgefangenen-Erinnerung gefallen wegen des erkennbaren Zusammenhangs von ohnmächtig erlittenem Kriegstrauma, das immer noch rumort, und einem fortwährendem Bußgang als Haussklave eines SM-Studios.
    (Dr. Andreas Rost, Förderung von Kunst und Kultur / Kulturreferat, München)
  • Angesichts seiner Thematik bietet 24 / 7 THE PASSION OF LIFE erstaunlich viel Situationskomik und Heiterkeit.
    (Andreas Ströhl, Leitung Filmfest München)
  • 24/7 THE PASSION OF LIFE schafft es ein Tabuthema ins deutsche Kino zu bringen und erhöht damit auf jeden Fall die thematische Bandbreite des deutschen Films.
    (Till Schmerbeck, Produzent, Ludwigsburg)
  • Ich ziehe meinen Hut vor den Machern von 24/7 THE PASSION OF LIFE und glaube, dass dies eine sehr aufrichtige Kombination von Erotik, Kunst und Professionalität ist. Obwohl die Darstellung manchmal über die traditionelle Grenze hinausgeht, wirkt sie nie billig.
    (Stephan Brenninkmeijer, Regisseur, Niederlande)
  • Prickelndes, sexy Kino vom Besten – erinnert an „Last Tango in Paris“ – ein cineastisches Meisterstück.
    (Schani Krug, Produzent / Regisseur, USA)
  • 24/7 THE PASSION OF LIFE ist eine sehr wichtige politische Aussage.
    Das Interessante an 24/7 THE PASSION OF LIFE sind vielmehr die philosophischen und politischen Obertöne als der dargestellte Sex ... Das Spielen mit katholischen Ritualen ist eine faszinierende Parodie: das Heilige zu profanisieren, um uns zu helfen, spirituell zu reifen durch die Konfrontation mit Konventionen, nicht durch das blinde Akzeptieren derselben. Ich mag den Versuch der Demystifizierung als Taktik, um uns mit uns selbst zu konfrontieren wie z.B. die Nichtbestrafung (eines Gastes) als größte Bestrafung ...
    (Andre Bennett, Produzent und Vertrieb, Canada)

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